Innovationsghetto
Immer wieder taucht die Frage auf, wie man die Einwicklung von Computerspielen am Besten mit öffentlichen Mitteln fördern könnte. Wie häufig in der Politik gibt es auch hier viele Wege nach Rom. Viele Länder dieser Welt fördern die Entwicklung von Computerspielen bereits z.T. mit erheblichen Mitteln.
Grundsätzlich kann man die Entwicklung aus technologischer, aus wirtschaftlicher und kultureller Perspektive fördern. In der Realität überwiegen Mischformen. Dabei ist die Vielfalt der Konzepte durchaus sinnvoll, denn Fördersysteme, z.B. der Bundesländer oder der einzelnen EU Mitgliedsstaaten stehen ja miteinander zu einem gewissen Grad im Wettbewerb. Manche Förderkonzepte knüpfen ihre Entscheidungen eher an eine Auswahl eines Expertengremiums, andere z.B. so genannte Tax- Credit Modelle operieren mit einem Automatismus. Manche Modelle arbeiten auf Beihilfenbasis, andere als Darlehen und auch hier gibt es zahlreiche Mischformen, denn bei den Darlehen kommt es auf die Bedingungen an, ob es sich um Förderung handelt (einschließlich der Rückzahl- Bedingungen).
Keine Förderung sind Maßnahmen, die eher im PR-Bereich anzusiedeln sind. Häufig versuchen Standorte die über wenig echte Fördermöglichkeiten verfügen, damit darüber hinwegzutäuschen. Die Leidtragenden sind in der Regel die Unternehmen am Ort, denn sie müssen am Markt gegen andere Regionen dieser Welt, wo stark gefördert wird bestehen. Manchmal reicht das bis zu Insolvenz oder Abwanderung ohne eigenes Verschulden. Aus meiner Sicht sollten wir z.B. symbolische Preise, bei denen keine echte Unterstützung geleistet wird, nicht immer gutheißen. Jeder der selbst ein Unternehmen aufgebaut hat, weiß, wie viel bzw. wie wenig ein symbolischer Preis wirklich bringt. Daher ist es mit Recht positiv anzusehen, dass der deutsche Computerspielpreis relativ gut dotiert ist. Auch Veranstaltungen der öffentlichen Seite, die nur auf privates Kapital verweisen, machen es sich manchmal zu einfach.
Manchmal wird auch versucht, Förderung auf den Begriff der Innovation zu konzentrieren. Richtig an diesem Konzept ist, dass gerade neue, besonders riskante Projekte förderungswürdiger seien sollten als bereits etablierte Technologien, Inhalte oder Geschäftsmodelle. Der Begriff der Innovation ist sicherlich ein Schlüsselbegriff. Aber ist er das Allheilmittel? Kann er eine flächendeckende, nachhaltige Förderpolitik ersetzen? Ich habe da meine Zweifel. Die größten Unternehmen der Computerspieleindustrie sind zugleich weltweit die größten Subventionsnehmer, vor allem in Ländern wie Kanada oder Singapur. Sie predigen manchmal Wasser und trinken Wein, wenn sie die Spieleentwickler auf den Wettbewerb am Markt verweisen. Insofern ist es schon beinahe die Frage, ob wir wirklich noch eine freie Marktsituation haben. Dabei gibt es gerade in unserer Branche besonders große Netzwerkeffekte, wo sich die Margen gerade bei besonders erfolgreichen Produkten vervielfachen. Den Innovationsbegriff zu verwenden ist sicherlich ein legitimer Ansatz, mit ihm den Förderunganstatz aber einzuhegen, ist sicherlich nicht sinnvoll. Denn auch etwas größere Studios müssen gefördert werden – was nicht heißt, dass man auch Innovationen fördern sollte (aber eben nicht nur). Aber: Allein in Frankreich wurden in 2008 14 Mio Euro and Tax Credits an große Studios ausgeschüttet, und da sind die direktren Beihilfen für Prototypen etc. noch gar nicht mit eingerechnet.
Zuerst erschienen bei GAMESMARKT 2009