Home > Allgemein > Alles auf Anfang ? Keine Panik

Alles auf Anfang ? Keine Panik

14. April 2011

Alles auf Anfang ? Keine Panik

Durch die vorgezogene Bundestagswahl haben sich die Spielepolitischen Koordinaten nur unbedeutend verschoben. Für die Entwickler von Computerspielen in Deutschland heißt das vor allem, dass unsere politische Arbeit auf den Gebieten Wirtschaft, Technologie und Innovation, sowie Kultur- und Medienpolitik fast unverändert weiter gehen kann. Gerade die große Koalition wird sich Innovationen auf die Fahnen schreiben und so versuchen, der Arbeitslosigkeit zu begegnen. 

Zunächst ist festzuhalten: Mit der Wahl am 18.September 2005 zum deutschen Bundestag haben sich die Machtverhältnisse geändert. Aber mit der großen Koalition werden viele Projekte der vergangenen Regierung in der jetzigen Regierung fortgeführt werden. Das Personal in den Ministerien wird wohl nicht grundlegend neu ausgerichtet. Insoweit sorgt die SPD für eine gewisse Kontinuität. Trotzdem bleibt die Frage noch offen, welche Verschiebungen sich ergeben können.

Mit CDU und CSU kommen zwei Parteien in Fraktionsgemeinschaft mit an die Regierung, die traditionell der Mittelstandspolitik verpflichtet sind. Dem liegt die Überzeugung zugrunde, dass Wirtschaft nicht erst ab einer Größe beginnt, bei der Unternehmen einen Betriebsrat haben. Das kann den KMU’s aus der Spielbranche zunächst nur nutzen. Es wird insoweit wichtig sein, nachhaltig deutlich zu machen, dass nicht nur die meisten Arbeitsplätze, sondern auch die meisten Innovationen von kleinen Unternehmen kommen, die eine besondere politische Rückendeckung im Globalisierungsumfeld bitter nötig haben.

Die CDU ist bereits im Wahlkampf auf die deutschen Spieleentwickler zugekommen. So haben sich Herr Abgeordnter Günther Nooke und Herr Ministerpräsident Althaus gemeinsam bei Radonlabs GmbH in Berlin zu Wahlkampfzwecken fotografieren lassen. Das ist ein Durchbruch. Aber es zeigt auch: Berührungsängste bestehen hier immer weniger. Ob die CDU auch konkret etwas für die deutschen Spielentwickler tun will, wird sich zeigen. Mitunter scheint sie ja auch von der Innovationskraft der Grünen profitieren zu wollen, deren vorbehaltsloser Einsatz für die Belange der Spielentwickler während der letzten Regierung vorbildlich war, obwohl sicherlich viele Grünen- Wähler als Eltern besonders große Bedenkenträger gegenüber der Spielewirtschaft sind. Wenn Frau Merkel ihre Regierungsarbeit also mit etwas „Jamaica“-Charme würzen möchte, dann muss sie die deutschen Spielentwickler unterstützen.

Interessant wird es, die Regierungsbeteiligung der CSU zu beobachten. Der noch amtierende bayerische Innenminister Beckstein verfolgt den Plan eines allgemeinen Verbots der Entwicklung von Computerspielen in Deutschland. Dazu ein Zitat aus einem Brief, den er an ein Verbandsmitglied schrieb: „Letztlich kann nach meiner Auffassung ein wirkungsvoller Schutz der jungen Generation aber nur durch ein absolutes Herstellungsverbot von schwer jugendgefährdenden Videofilmen, Video- und Computerspielen erreicht werden.“ Das mit einem Herstellungsverbot, der Absatz von Spielen, die außerhalb Deutschlands hergestellt wurden auch noch zusätzlich steigt, wird dabei übersehen. Man wird sehen, was daraus wird, denn der CSU sind Erwägungen in technologie- und medienpolitischer Hinsicht nicht fremd: Gerade die CSU in Bayern verfolgt seit Jahrzehnten im Mediensektor insgesamt eine sehr erfolgreiche strategische Industriepolitik unter Einbeziehung von Mittelstand und regionaler Nachfrage. In der CSU ist bekannt, dass für nachhaltige Innovationen eine umsichtige und handlungsfähige Regierung erforderlich ist. Leerformeln genügen nicht, um die Technologie von morgen im globalen Wettbewerb durchzusetzen.

Seitens der Bundesländer ist eine spürbar größere Anteilnahme an unserer Branche zu verzeichnen. So wird mit Minister Armin Laschet aus Düsseldorf erstmals ein echter Minister an der Verleihung des deutschen Entwicklerpreises in Essen teilnehmen. Ähnlich auffällig ist übrigens eine Entwicklung, dass neben Leipzig zunehmend andere Messestandorte um die fulminante Games Convention buhlen. Das zeigt, dass das Thema Games auch hier an Bedeutung gewonnen hat. Für den Entwicklerstandort Deutschland ist natürlich eine nunmehr international etablierte Messe sehr wichtig. Insoweit setzen wir auf Kontinuität. Das Leipzig so groß und bedeutsam geworden ist, ist nicht selbstverständlich.

 Zuerst Erschienen 2006 in Gamestar Dev

RA Malte Behrmann, GF Politik GAME Bundesverband der Entwickler von Computerspielen e.V. Email: Behrmann@game-bundesverband.de

KategorienAllgemein Tags:
Kommentare sind geschlossen