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Browsergames sind eine Riesenchance

17. Dezember 2010

Erstmals nehmen deutsche Entwickler eine weltweit bedeutende Rolle in einem Marktsegment ein. Malte Behrmann fürchtet, die Politik könnte die positive Entwicklung durch Überregulierung abwürgen.

 Herr Behrmann, die sozialen Netzwerke wie Facebook kopieren das Erfolgsmodell Item Selling aus der Spielebranche. Freut Sie das?

 Dr. Malte Behrmann: Die Spieleindustrie hat hier gewaltige Pionierarbeit geleistet. Das gilt zum Beispiel für 3D-Welten. Es hat ja viele Versuche gegeben, aber erst durch spannende Spiele kam der Durchbruch. Davon werden auch andere Branchen profitieren. Das spannende am Thema Item Selling ist ja die fehlgeleitete Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Viele setzen den Erfolg der Spieleanbieter mit dem Erlösmodell „Werbung“ gleich. Das ist aber möglicherweise falsch. Die Spielehersteller verdienen wohl eher mit Abo-Gebühren oder sie verkaufen virtuelle Güter. Auch die Monetarisierungsmöglichkeiten für soziale Netzwerke wurden zunächst in der Werbung gesehen. Facebook zeigt nun, dass es anders geht. Insofern freut mich besonders, wenn erkannt wird, dass wir in der Spieleentwicklung inzwischen weltweit ein bedeutender Standort geworden sind.

 Das gilt aber nur für Browsergames.

 Behrmann: Stimmt. Aber hier sind Firmen wie BigPoint oder Gameforge weltweit beachtete Player. Das ist eine einzigartige Chance für den Standort Deutschland und für Europa. Das Konzept Free-to-Play mit verkäuflichen Items als Erlösquelle bringt inzwischen auch die Hersteller von PC- oder Konsolen-Spielen zum Nachdenken. Wir sollten dieses Marktpotential in Deutschland unbedingt schnell nutzen und uns nicht durch Regulierung kaputt machen lassen. Das Zeitfenster hierfür ist klein. Ich fürchte, dass nach der Bundestagswahl eine Regulierungswelle über uns herein bricht.

 Aber es gibt doch eine Reihe rechtlicher Grauzonen, die es unbedingt zu klären gilt. Was ist mit dem Thema virtuelle Währung?

 Behrmann: Das ist doch ganz einfach. Ich darf reales Geld in eine Spielewährung umwandeln. Für die Rückumwandlung benötigt man vermutlich eine Banklizenz und die ist teuer.

 Sind virtuelle Güter Umsatzsteuer-pflichtig?

 Behrmann: Aus meiner Sicht nicht, sobald es sich um grenzüberschreitenden Handel dreht. Deutsche Anbieter unterliegen vermutlich der Pflicht, Umsatzsteuer erheben und abführen zu müssen, wenn mit realem Geld bezahlt wird..

 Online-Games werden bislang nicht von der USK, der Selbstkontrolle Unterhaltungssoftware geprüft.

 Behrmann: Und das wird höchste Zeit. Der G.A.M.E.-Verband ist ja Miteigentümer der USK. Wir arbeiten intensiv an einer Lösung. Tatsächlich treten immer wieder Spieleanbieter an uns heran, die USK-Labels für ihre Onlinespiele haben wollen.

 In den USA sind die großen Markenartikel-Hersteller längst intensiv dabei, wenn es um Sponsoring und Werbung in Spielen geht. Sind deutsche Unternehmen reif dafür?

 Behrmann: Ich finde, das ist gar nicht der richtige Ansatzpunkt. Markenhersteller können – dort wo es passt – mit den Spieleherstellern zusammen arbeiten und spannende Spiele entwickeln. Sie können auch im einen oder anderen Fall Items im Spiel verkaufen. Aber das Thema InGame-Advertising mit Plakaten, an denen der spielende Motorradfahrer mit 250 Sachen vorbeirauscht, finde ich verfehlt. Das merkt sich doch keiner. Oder wissen Sie noch, welche Marke die „Mohrhuhnjagd“ herausgebracht hat?

 Jack Daniels?

 Behrmann: Nein, Johnny Walker.

Herr Behrmann, vielen Dank für dieses Gespräch:

Interview mit Malte Behrmann, Geschäftsführer des G.A.M.E-Verbands Spielfigur, 2009

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